| Resume |
Wolfgang Welsch hat die grenzüberschreitenden Vernetzungen, welche die heutigen Kulturen bezeichnen, unter dem Begriff Transkulturalität zusammengefasst. Ihm zufolge ist die Transkulturalität die „Hervorbildung kultureller Fähigkeiten und das Hineinwachsen in eine Kultur“. Kulturelle Schmelzpunkte zwischen verschiedenen Kulturen können in Form von Vernetzungen, Überlappungen, Durchdringungen, Vermischungen vortreten. Für unsere Analyse erweist sich als hilfreich hier die Theorie der „Hermeneutik der Überlappung“, wie Ram Adhar Mall sie für die interkulturelle Philosophie fruchtbar gemacht hat, nämlich: Wesentlich für das Verstehen zwischen Kulturen ist weder eine totale Identität noch eine radikale Differenz, sondern der Wunsch zu verstehen und der Wunsch, verstanden zu werden. Dieser Befund kann geltend gemacht werden, um transkulturelle Erfahrungen der Europäer in Afrika zu untersuchen. Der vorliegende Beitrag versucht, die Formen der kulturellen Überlappung anhand der Figur Egon Friedrich Kirschstein in Hermann Schulz’ Kinderroman Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt (2002) zu beschreiben. Dabei wird die Thematik der Identitätserhaltung oder -Behaltung relevant sein. |